Blindman, der VollstreckerThis is a featured page


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Inhalt:

Ein blinder, verzauselter Pistolero (Tony Anthony) reitet in die Stadt, lässt sich erst mal von herumstreunenden Passanten auf die Turmuhr eichen und läutet mit seiner Winchester seine Ankunft an.
Das bereitet den Jungs, die unseren sympathischen Sehbehinderten um die stattliche Anzahl von 50 heiratsfähigen Mädels (!) geprellt haben, vorerst wenig Kopfschmerzen.
Unter Hohn und Spott teilen sie unserem verhinderten Ehevermittler mit, das sie die Frollein gewinnbringend an Domingo (Lloyd Battista) verhökert haben, seines Zeichens mexikanischer Großkrimineller mit Privatarmee.
Soviel Sorglosigkeit wird bestraft; Blindman kündigt seinen Vertrag seinerseits mithilfe eines explosiven Mitbringsels aus dem Herrenhandtäschchen, steigt wieder auf seinen Zossen und lässt sich gen Mexiko leiten, mit festem Willen nicht ohne seine wertvolle Fracht zurückzukehren... was für Herrn Domingo samt Mischpoke im Laufe der folgenden 100 Minuten die Einstellung jeglicher Geschäftstätigkeiten zur Folge hat.

Zitate:

"Soll ich dir mal was erzählen? Jeden Abend knie ich nieder und spreche meine Gebete... Und jedes mal frag ich dann unseren Herrn "Herr! Wer sind meine Freunde?" Und weißt du was, Skunk? Jedes mal ist es dieselbe Sache: Er antwortet nicht..." (Blindman zu Skunk (Renato Romano), dessen Arsch daraufhin mittels einer Ladung Dynamits in 1.000 Stücke zerblasen wird)

"Jetzt hast du keinen Vertrag mehr... weil ich ihn verbrenne." - "Dann werd ich dir mal einen guten Rat geben, du mexikanisches Schwein: es wäre besser für dich, du verbrennst mich auch."
(Domingo und Blindman sinnieren über neoliberale Marktwirtschaft)

"Friede! Friede, meine Brüder! Es gibt genügend Hass auf dieser Welt, wir müssen lernen einander zu lieben."
(Ja, da geht dem Hippie das Blümchen in der Hose auf... Blindman ist eigentlich überzeugter Pazifist, was er kurz darauf mit seiner Winchester beweist)

Die Kritik des Sargnagels:

Blindman hat alle Ingredienzien eines guten Italowesterns, auch wenn die Handlung im Groben der von "Für eine Handvoll Dollar" gleicht: Stranger spielt zwei rivalisierende Banden aus. Nicht wirklich originell, aber der Streifen bezieht seine Originalität vor allem aus dem Haupt-Charakter.
Der ist zwar ebenfalls gemopst, ähnelt er doch sehr dem blinden Samurai Zatoichi, der schon seit den frühen 60ern auf den Leinwänden Japans lustwandelt.
Trotzdem: Der superb dargestellte Blindman stellt schon aufgrund seiner Behinderung eine Ausnahme dar und gehört für mich zu den größten "Sympathieträgern" im Italowestern-Universum. Fatalistisch auf seinen Vertrag pochend stürzt er sich von einer Verwegenheit in die Nächste und man fragt sich dauernd, wie er das trotz seiner Sehschwäche jetzt hinbiegt. Tony Anthony muss man lieben oder hassen, für einen Italowestern-Helden ist er schon ziemlich außergewöhnlich. Dem Charakter hat er jedenfalls seinen Stempel aufgedrückt. Selbiges gilt auch für die Filmauftritte des Ex-Beatle Ringo Starr, der hier einen frauenfixierten Unhold mimt. Und das nicht mal so schlecht, obwohl er in gewissen Szenen etwas "angestrengt" wirkt. Der Rest der Besetzung wird ebenfalls von Ferdinando Baldi gekonnt in Szene gesetzt, der auch die Handlung immer schön am köcheln hält und die für den Storymodus typischen Twists effektiv platziert.
Fazit: Ein Schmeckleckerchen der ersten Güteklasse, das sich locker mit den Spitzenprodukten von Corbucci oder Carnimeo messen kann.


Rating: $$$$+ (GS: $$$$)

Bodycount:

nicht gezählt, aber ordentlich


Explizite Brutalitäten:

  • Blindman ist aufgrund seiner Behinderung wiederholt hinterfotzigen Demütigungen seiner Mitmenschen ausgesetzt
  • Domingo lässt eine Schütte mexikanischer Soldaten während des Fronttheaters mittels Gatling flachlegen
  • Domingos Männer verpassen dem Blinden eine kräftige Abreibung, als der auf seinen Vertrag pocht. Domingos Schwester Big Mama (Magda Konopka) packt ihm als Zugabe noch unbemerkt eine giftige Schlange in den Salat
  • Frauen dienen allen Seiten nur als Ware
  • Der General (Raf Baldassarre) brutzelt Domingo mit einer Zigarre die Augen aus dem Schädel
  • Blindman schießt Domingo in Fetzen

Spezialitäten:

Blindmanns Flinte dient mit Hilfe eines aufgepflanzten Bajonetts auch als Blindenstock. Sein Pferd "Boss", das auf Pfiff hört, gibt den Blindenhund

Liebe:

1/10 (na ja, wenn man die unglückliche Romanze des Herrn Starr mitzählt)

Trailer:

(friendly provided by ItaloWestern)

OT:
Blindman

AT:
Il Cieco (I)
Il cieco Pistolero (I)

Jahr:
1971 (I)
R:
Ferdinando Baldi
B:
Tony Anthony, P.G. Anchisi, Vincenzo Cerami
K: Riccardo Pallotini
M: Stelvio Cipriani
D: Tony Anthony, Lloyd Battista, Ringo Starr, Raf Baldassare

Quelle: DVD (Koch)

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Dillinger Starr-Allüren 0 Oct 4 2007, 8:06 AM EDT by Dillinger
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Ja, das ist doch in der Tat ein erstklassiger Film!
Vor allem ist der Blindman kein "Super-Blinder" wie Zatoichi oder gar Daredevil, nein, er muss die Trommel schon auch mal leerballern, bis er den Gunmankollegen erledigt.
Der Xplotation-Faktor befremdet zwar etwas, doch entnehmen wir dem DVD-Text, dass herr Starr vor allem deswegen an diesem Film mitwirkte: Ständig von halbnackten Damen umringt zu sein lässt des Rockers herz höher schlagen.
Vor allem zu loben ist hierbei die - wie meist - tadellose Koch-DVD, die mit allerlei Features aufwartet, wie einer über 40minütigen Doku mit und über Ferdinando Baldi, der sich wehmütig an vergangene Western-Tage erinnert.
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