Frau ohne GewissenThis is a featured page


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Inhalt:

Walter Neff (Fred MacMurray) ist Vertriebs-As einer Versicherungsgesellschaft in Los Angeles und gerade unterwegs, um seinen Kunden die Verlängerung ihrer ablaufenden Autopolice nahezulegen. Doch einer seiner Pappenheimer, Mr. Dietrichson (Tom Powers), reicher Mitarbeiter einer Ölklitsche, ist nicht da. Stattdessen trifft Neff auf dessen Gattin Phyllis (Barbara Stanwyck): halbnackt, sehr blond und für die Anmachsprüche des Außendienstlers anscheinend durchaus empfänglich.
Während Neff der Frau mit der güldenen Fußgelenkbereifung in Nanosekunden verfällt, verfolgt diese ganz spezielle Pläne und bereitet entsprechend das Terrain vor. Schließlich hat sie den Galan soweit, dass einem Versicherungsbetrug, leider verbunden mit dem vorzeitigen Ableben des Gatten, nichts mehr im Wege steht: Neff jubelt Dietrichson ohne dessen Wissen eine hoch dotierte Unfallpolice unter und tüftelt einen detaillierten Plan aus, um das versicherte Ereignis auch eintreten zu lassen.
Der Mord, der ein Unfall sein soll, geht dann auch glatt, doch Versicherer schauen nun mal ganz besonders genau hin, wenn’s ans Zahlen geht. Also soll ausgerechnet Neffs Kumpel, der ausgebuffte Versicherungsdetektiv Barton Keyes (Edward G. Robinson), der Witwe auf den faulen Zahn fühlen. Und Keyes fallen rasch Ungereimtheiten in dem scheinbar so offensichtlichen Fall auf, während Neff immer mehr Unschönes über seine Komplizin erfährt.


Zitate:

„Wie sollte ich ahnen, dass Mord zuweilen nach Jasmin duftet?“ (Neff in Anspielung auf Phyllis’ Parfüm)

Neff: „Ich komme extra her, Ihren Mann zu versichern, und Sie haben nichts besseres zu tun, als ihn in Dollars einzutauschen.“

Phyllis: „Wir müssen den einmal beschrittenen Weg zusammen weitergehen. Abspringen wäre gefährlich …“

Die Kritik des Gunslingers:

Billy Wilders „Double Indemnity“ zählt heute mit Sicherheit zu den fünf bekanntesten Noirs überhaupt. Im Gegensatz zu anderen Streifen des Genres, wie beispielsweise „Lady of Shanghai“ von Orson Welles, der erst spät seine Anerkennung fand, erkannte man die Bedeutung von Wilders Werk sofort. Erzählstruktur und technische Ausführung waren für den Film noir bahnbrechend. Nicht umsonst erhielt aber auch Barbara Stanwyck 1945 einen Oscar für ihre Leistung; ebenfalls ausgezeichnet wurden Kamera, Drehbuch, Film und Score.
Der Film startet „amtlich“: Ein Wagen schlingert durch die nächtliche Stadt, bremst vor einem Bürohaus, ein Mann steigt aus der Karre, schwankend, betritt das Foyer. Es ist der angeschossene Walter Neff, der im Büro von Keyes in der nun folgenden Nacht seine Geschichte und sein Geständnis diktiert. Eine Geschichte um Verführung, Gier, Mord und Verrat, eine Geschichte, die von Beginn an nur in eine Richtung führt. Der Off-Erzähler (Neff) gibt nicht nur Einblicke ins Innenleben des Mörders, sondern verstärkt durch seine lakonischen, atmosphärischen Schilderungen die Wirkung von Kamera und Score.
Barbara Stanwyck ist personifizierte „Femme fatale“, von einer solchen Anziehungskraft, dass ein Opfer selbst dann nicht von ihr lassen kann, wenn es um ihre strikte Ergebnisorientierung weiß. Klasse, wie sie Manipulationskaskade schrittweise einschaltet und dabei den schnoddrigen Machismo Neffs für sich nutzt. Anfänglich das blonde Weibchen, dass Neffs Sprüche kichernd goutiert, setzt sie ihr gesamtes weibliches Arsenal aus Sex und Tränendrüse ein, sobald sie Walter taxiert und für tauglich befunden hat.
Walter Neff wiederum ist der Jedermann, nicht unzufrieden, aber ehrgeizig und beileibe kein Unschuldslamm. Zwar lehnt er Phyllis’ durch die Blume vorgetragenen Mordvorschlag erst einmal entrüstet ab, muss sich aber eingestehen, dass er schon früher daran gedacht hatte, auf Kosten der Versicherung Kasse zu machen. Wer hätte das nicht schon mal ;-)? Was ihn von den meisten von uns nur unterscheidet, ist, dass er bereit ist, den entscheidenden Schritt mehr zu machen, den Schritt, der keine Umkehr mehr zulässt. Zuletzt baldowert Neff den Mordplan aus, ohne zu merken, dass er weniger Akteur, sondern Werkzeug ist, und zwar genau wie Phyllis Getriebener seiner Obsessionen. Genauso schnell wie sie sich gefunden hat, geht die Tätergemeinschaft wieder in die Brüche, als der Druck von außen wächst und sich sexuelle und materielle Gier nicht länger als tragfähig erweisen.
Kameraführung und Ausleuchtung sind klassisch noir, und der Score von Miklos Rosza unterstreicht mit vollem Orchester die Finsternis des Plots, der auf einem Roman des großartigen James Cain fußt. Der von Billy Wilder kritisierte deutsche Titel ist in der Tat unpassend, da ihn die Handlung nicht wiedergibt. Unter „Double Indemnity“ versteht man übrigens eine Klausel bei einer Unfallversicherung, nach der bei bestimmten Ereignissen die doppelte Versicherungssumme ausgezahlt wird.


Rating: $$$$$



Splatter:

1/10


Trailer:

by trailerizing
OT:
Double Indemnity

Jahr: USA 1944
R, B: Billy Wilder
B: Raymond Chandler
K: John Seitz
M: Miklos Rosza
D: Fred MacMurray, Barbara Stanwyck, Edward G. Robinson, Tom Powers

Quelle: TV (arte)


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