Inhalt:Die letzten Kriegstage im Jahr 1945: Das dritte Reich ist im Arsch, selbst die waghalsigsten Erfindungen deutscher Wissenschaftler können den Untergang nicht mehr aufhalten. Angesichts des Untergangs vernichten die Hitler-Schergen panikartig verräterische Dokumente ihrer todbringenden Entwicklungen. Doch die Pläne der ultimativen Superwaffe müssen bewahrt bleiben; wenn erst mal der Führer wieder auferstanden ist und das Vierte Reich einläutet, soll sie die Weltherrschaft der Nazi-Nachkommen sichern. Und so versteckt das Mastermind der Überbombe, nebenbei begeisterter Hobby-Musikant, die Mikrofiches in seiner blaulackierten Gitarre.
Szenenwechsel: 14 Jahre später. In Deutschland herrscht Friede, Freude, Eierkuchen und das Wirtschaftswunder. Amerikanische Rekruten bevölkern die BRD und versorgen die Einheimischen mit Kaugummi, Marlboro und Rock ´n Roll. Einer dieser Jungspunte ergattert auf einem Flohmarkt eine gebrauchte Gitarre – das Bürscherl heißt Elvis Presley. Und so kommt der sinsitre Nazi-Plan unwissentlich in die Hände des größten Rock ´n Rollers aller kommenden Zeiten, der mit dem um seine Hüften geschnallten Instrument eine Weltkarriere manifestiert.
Weitere 14 Jahre später: ein durchgeknallter Fan des King schleicht sich nach einem Konzert des Ewiglebenden in dessen Garderobe und mopst als Andenken natürlich dessen bestes Stück. Die Spur der Klampfe verliert sich...
Im heutigen Berlin: nach Jahren der Suche stöbert der Mietkiller Cooper in der Bundeshauptstadt einen Elvis-Imitator auf, der zufällig während einer Pilgerfahrt nach Graceland eine blaue Gitarre in einem Second-Hand-Shop erstand. Das Aufeinandertreffen endet für den Elvis-Devotee letal; Cooper macht sich auf nach Hongkong, um seinen Auftraggeber Kwan mit den Blaupausen zu beglücken. Dessen Mittelsmann hat allerdings noch eine Peking-Ente mit dem amerikanischen Killer zu rupfen, befördert ihn unter die asiatischen Radieschen und versucht nun seinerseits mit dem gemopsten Instrument sein Scherflein zu machen. So wandert das Schmuckstück wieder zurück nach Berlin, wo schon ein Abkömmling des Superwaffen-Erfinders sehnsüchtig auf die Pläne wartet. Die Übergabe verläuft jedoch alles andere als geplant, als plötzlich eine lederbekleidete Schönheit die gesellige Runde mit einer Uzi stört. Und wieder wechselt die legendäre Klampfe den Besitzer - nicht zum letzten Male, und meist mit tödlichem Ende…
| Die Kritik des Sargnagels:Eine kleine, schmutzige aber höchst sehenswerte Perle deutschen Filmschaffens. Und dabei wurde der Streifen ohne Sponsorenkohle und Filmförderung umgesetzt! Mit viel Liebe zum Detail schufen Thomas Wind, Michael Redolfi und Werner Bednarz – allesamt Profis mit langjähriger Erfahrung in Film, Funk und Fernsehen - eine Hommage an die sleazigen 60er/70er-Jahre Crime- und Exploitation-Streifen. Da gibt’s alles was das Trasher-Herz begehrt: Gunplay en Masse, handfeste Kung Fu-Action, knackige One-Liner, einen superfiesen, Fuzz-Gitarren getränkten Score, die Extraprise *hüstel* Sex und eben diese feine Note Selbstironie und Humor, die jedes gute Produkt der Kategorie B ausmacht. Man spürt richtiggehend den Spaß aller Beteiligten.
Wer nun denkt, das begrenzte Budget schlägt sich bei der technischen Qualität und in schrottig verwackelter Handycam bzw. Taschenlampen-Ausleuchtung a la "Blair Witch Project" nieder, wird eines besseren belehrt. Feinste Breitwand-Action mit gestochener Schärfe und knackige Kameraeinstellungen erwartet den Betrachter, da sind keine Unterschiede zu Hochpreis-Elaboraten zu entdecken. Die Darsteller sind wohl ausgesucht, die Mischung aus professionellen Schauspielern und Laiendarstellern fällt nicht auf und wirkt auch nie peinlich. Grandios übrigens „U.Rabbit“ als mordende Leder&Lack&Latex-Queen sowie Hironori Matsuzaki als Kwans nicht ganz willfähriger Mittelsmann Shikun.
Handlungstechnisch gibt’s keine großartigen Überraschungen (wie auch in den „Vorbildern“ nicht); dennoch bleibt die Story dauerhaft über die gesamten 70 Minuten am Gas und immer neu auftauchende, detailliert dargestellte Charaktere (u.a. ehemalige Stasi-Offiziere, die italienische Mafia, Neo-Nazis, Ninjas, Kardinäle und und und…) sorgen für den nötigen Pep. Das „Bäumchen wechsle dich“-Spielchen wird nie langweilig, und zum Schluss wartet als „Gutzele“ auch ein kurioser Twist auf. Vergleiche zum aktuellen Tarantino/Rodriguez-Projekt „Grindhouse“ verbieten sich übrigens; die Idee zu „Guitar Men“ entstand schon im Herbst ´05…
Guitar Men - Drei Akkorde für ein Halleluja!
Anmerkung des Gunslingers:So ganz kann ich in die Lobeshymne des Sargnagels nicht einfallen: Mir persönlich ist's ein wenig des Guten zuviel. Die chinesische Mafia und deutsche Nazis gehen ja noch in Ordnung, aber Stasi-Truppe und killende Nazi-Mönche im Vatikan, ne, Leute, muss nich' unbedingt. Diagnose: klassisches Überdrehen der Schraube, was auch zu Längen führt. Hier hätte man besser auf ein paar Ideen verzichten sollen, auch wenn's Herzel blutet, anstatt auf Deubel komm raus alles reinzupacken, was der Hirnkasten ausspuckt. So verliert sich die Handlung ein wenig in ihren etwas überambitionierten Bäumchen-Wechsel-Dich-Spielchen. Ansonsten aber auch von mir: Hut ab. Engagement und die trotz fehlenden Zasters professionelle Produktion verdienen die große Leinwand. Besonders stark ist der Score, der größtenteils von Michael Mohr stammt, Chef der Berliner Garagenband "The Devil in Miss Jones": wirklich klassischer, knarzender 50s/60s-Stuff inklusive verzerrter Gitarre und hallunterlegten-Vocals. Die Mucke hätte auch jedem der zu Vorbildern erklärten B-Movies gut zu Gesicht gestanden.
Update – DVD-VÖ:So, nu ist sie raus, die finale Version des Streifens und endlich auch für kaufwillige Interessenten als Silberling zu haben. Und für die DVD-VÖ haben sich die Macher nochmals richtig ins Zeug gelegt, die etlichen Verzögerungen hatten schon einen Grund. Der eigentliche Streifen wurde um gezeichnete Comic-Zwischensequenzen erweitert, die anschaulich die Rückblenden des Erzählers unterstützen. Grafisch sehr fein und ansprechend - die statischen Szenen mit dem Erzähler nahmen doch etwas Tempo aus der Geschichte, was die zusätzlichen Comic-Einsprengsel nun amortisieren. Als fettes EXTRA gibts den Streifen auf der DVD neben der normalen in einer zusätzlichen 3D-Version! Der gesamte Film wurde im klassischen Anaglyphenverfahren encodiert - der DVD wurden dafür sogar zwei Rot/Blau-Brillen beigefügt. OK, übers Ergebnis lässt sich nun streiten; an der Glotze lassen sich sich zwar die Effekte erahnen, Genuss ist allerdings anders. Auf ´nem Beamer jedoch in abgedunkelten Räumlichkeiten (es darf eigentlich kein störendes Licht einstreuen) funktioniert's um Meilen besser. Nu jut, ist auch eher ein nett gemeintes Gimmick, der Streifen war ja nicht dahingehend konzipiert worden. Für einen schönen 3D-Film sollte man auch die passenden Szenen und Einstellungen drehen. Trotzdem: guter Gag! Als Zusatzschmankerl wanderte auch ein Kurzfilm von Thomas Wind aus dem Jahre ´98 auf die Scheiblette. Bei dem Shorty "Drei Freunde in Amerika" handelt es sich um einen auf Super8 gedrehten No-Budgeter, der während einer US-Reise entstand. Sun, Fun, Sex & Gore - so haben Urlaubsfilmchen auszusehen! Fazit: Nach all der Zeit seit der Premiere hatte ich schon Bedenken, ob die VÖ auch letztlich das lange Warten rechtfertigt. Und das hat´s eindeutig. Das Schnitzel gibts hier und demnächst auch bei vielen anderen Mailorders ;-) Natürlich ohne Jugendfreigabe, aber hallo!
| Rating: $$$$$- (SN) / $$$ (Trash: $$$$) (GS)
(man muss ja etwas Spielraum nach oben lassen, ich bin schon gespannt aufs Westernprojekt! - siehe Interview)
| Splatter:4/10 (dezent, aber effektiv)
| Trailer:(friendly provided by killingpictures.de)
| | Jahr: D 2007 R, B: Thomas Wind K: Michael Redolfi S: Werner Bednarz M: Michael Mohr D: Tammi Torpedo, U.Rabbit, Hironori Matzuzaki, Gerhard Gutberlet, Ed Zacharias u.a.
Quelle: Premieren-Besuch, DVD (Media Target)
|  | Der Imitator mit der Wurzel allen Übels
|  | Schicke Comics versüßen die Rückblenden
|  | Fury in the Slaughterhouse (Hironori Matzuzaki)
|  | Product-Placement gibts ooch... aber mit Stil! (Tammi Torpedo)
|  | Women in Black
|  | Und für solche Szenen empfiehlt sich die 3D-Fassung (U.Rabbit, *lechz*) |  | Schon seit ewigen Zeiten eine "unheilige Allianz": Die Kurie und die Mafia.
|  | Wessen Geistes Kind der Kardinal ist, zeigt sein Siegelring...
|  | Schafft er's noch? (Hironori Matzuzaki, Tammi Torpedo)
|  | Im Würgegriff der Neo-Stasi
|  | Ein Traum in transparentem Latex: U.Rabbit ist ganz Hausfrau
|  | | Gibt's jetzt endlich auch im Handel: die DVD | |