PossessionThis is a featured page


In den Strafraum

Inhalt:

Mark (Sam Neill) kehrt nach längerer geschäftlicher Abwesenheit zurück nach Berlin West. Während sich die Stadt nach wie vor in ihrer ummauerten Agonie suhlt, hat sich in seiner Beziehung zu Gattin Anna (Isabelle Adjani) Entscheidendes verändert, und zwar nicht zum Besseren. Spätestens als er in ihren Sachen einen Liebesbrief eines gewissen „Heinrich“ findet, wird die Ahnung zur Gewissheit: Anna hat einen Anderen. Die nächsten Tage und Wochen werden für Mark zunehmend zum Alptraum, nachdem Anna sich endgültig von ihm trennt. Er, der die Gattin wieder zurück gewinnen möchte, kriegt nicht nur von seinem Nebenbuhler Heinrich (Heinz Bennent) – eine Art kampfsporterfahrener Zen-Buddhist mit Sexgott-Qualitäten – gehörig die Hucke voll, sondern auch vom Leben.
Anna, die inzwischen Heinrich ebenfalls den Laufpass gegeben hat, aber aufgrund von Söhnchen Bob (Michael Hogben) immer wieder in der heimischen Butze aufschlägt, verändert sich zusehends, wirkt fremd gesteuert. Mal jagt sie wie eine Besessene rohes Fleisch durch den Fleischwolf und säbelt sich anschließend mit einem Elektromesser in den Hals, dann wiederum verwüstet sie offensichtlich verwirrt die ganze Wohnung. Mark setzt eine Detektei auf die zunehmend in den Wahn abdriftende Gattin an. Die Detektive spüren sie in Kreuzberg auf, wo sie Tisch und Bett mit einem seltsamen Mitbewohner teilt. Eine Entdeckung, die nicht wenigen Beteiligten zum Verhängnis wird.


Zitate:

Heinrich: „There’s nothing to fear except of God. Whatever it means to you.“ – Mark: “For me God is a disease.”


Die Kritik des Gunslingers:

„Possession“ ist der erste Streifen, den Andrzej Zulawski realisierte, nachdem er Polen den Rücken gekehrt hatte. Laut eigenen Bekundens flossen Frust über das Scheitern seines letzten, ambitionierten polnischen Projekts „Der silberne Planet“ und das Ende seiner Ehe in die Geschichte ein. So sind beispielsweise die Figuren Anna und Heinrich wohl eng angelehnt an Zulawskis Ex-Frau und deren neuen Lover.
Herausragend an dem Film ist die eigenartige, surreale Berlin-Atmo: So bewegen sich die Protagonisten durch ausgestorbene Straßen, fahren in menschenleeren U-Bahnen und durchqueren verwaiste Bahnhöfe. Fast die einzigen Menschen, die neben den handelnden Personen zu sehen sind, sind wahrscheinlich echte DDR-Grenzer jenseits der Mauer, die das Geschehen mit Ferngläsern beobachten. Berlin wird so zu einem geradezu hermetisch abgeschlossenen Raum, was zusammen mit dem überschaubaren Ensemble den Kammerspiel-Charakter des Films verstärkt. Dieser wird erst gegen Ende hin etwas gebrochen, wenn sich die Action aus dem Innern der Charaktere zunehmend nach außen verlagert.
Die Schauspieler agieren am oberen Limit, ohne Frage, was allerdings Banausen wie ich als seeeehr anstrengend empfinden können. Muss man halt mögen so was: Szenen wie die massiv ausgespielte, monströse Fehlgeburt, die Anna / Isabelle Adjani im U-Bahntunnel erleidet, sind bestimmt nicht jedermanns Sache. Überhaupt, die Leistung Isabelle Adjanis: Das ist bestimmt großartige Schauspielkunst, wirkt auf mich allerdings den entschiedenen Tick zu theatralisch und dick. Sam Neill als verunsicherter Mark, der sich immer tiefer in die Ereignisse verstrickt, ist geradezu wohltuend als fast schon ruhender Pol, während Heinz Bennent gerade noch die Kurve kriegt, nicht zu karikaturesk zu wirken.
Ein eigenwilliger Streifen.


Rating: $$$$


Splatter:

4/10


Trailer:

by R6dw6C
OT:
Possession


Jahr:
F/D 1981
R, B:
Andrzej Zulawski
B:
Frederic Tuten
K:
Bruno Nuytten
M:
Andrzej Korzynski
D:
Sam Neill, Isabelle Adjani, Heinz Bennent, Michael Hogben

Quelle: DVD (Bildstörung) Dank fürs Rezi-Exemplar!


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